Seit über 100 Jahren mitten im Dorf

Meinrad Lorenz hat den Bahnhof 1912/13 entworfen. Der Hochbaumeister der Rhätischen Bahn hatte den Auftrag, die Aufnahmegebäude entlang der neu zu bauenden Bahnlinie Bever-Scuol zu erstellen. Dabei entschied er sich für eine Normvariante, weshalb sich die Gebäude durchs Engadin fast aufs Haar gleichen. Während der grössere Teil der Bahnhöfe eher entfernt von den Dörfern stehen, bildet Lavin eine Ausnahme, weil der Bahnhof zentral im Dorf steht. Gebaut wurden sie im sogenannten «Bündner-Stil» einer Variante des europäischen Nachjugendstils, welche die einheimische Architektur im ersten Viertel dieses Jahrhunderts prägte.

1914 eröffnete die Rhätische Bahn die Linie Bever-Scuol und der Bahnhof Lavin nahm seinen Betrieb auf. Bahnlinie und auch der Bahnhof waren stets wichtig für Lavin und boten auch Arbeitsplätze für die einheimische Bevölkerung. So waren die Leute im Streckenunterhalt tätig und natürlich als Bahnhofvorstand.

Diesen Posten hatte unter anderem auch der Vater der bekannten, verstorbenen Schriftsteller Andri und Oscar Peer inne. Peer beschreibt den Aufstieg des Vaters, der vom Streckenwart zum Bahnhofvorstand befördert wurde im Buch «Il rumur dal flüm/Das Raunen des Flusses».

Peer trat seine Stelle in den 40er Jahren an und blieb bis ca. 1965 Bahnhofsvorstand. Auf ihn folgte Bartel Cadonau, der bis 1981 arbeitete. Seine Frau ist erst kürzlich verstorben und erzählte oft von ihrem Mann und dessen Arbeit.

Danach wurde der Vorsteherberuf eine Familienangelegenheit der Fillis. Von 1981 bis 1991 verrichtete Arnold seinen Dienst im Bahnhof Lavin, danach folgte sein Sohn Matias bis 1999. Dann wurde der Bahnhof stillgelegt, respektive es blieben der Wartesaal und ein Billettautomat kam dazu.

Seit 10 Jahren lebt der Bahnhof nun zumindest an den Wochenenden wieder auf, da öffnet jeweils das Bistro Staziun. Dieses bietet immer wieder Lesungen, Kinoabende oder zeigt auch Fussballspiele bei Europa- oder Weltmeisterschaften.

Das Verladen von Vieh, früher auch eine beliebte Tätigkeit am Bahnhof, wenn auch nicht von Jon Peer, wurde um 1995 eingestellt, als der Bahnhof im Rahmen des Vereinabaus verlängert wurde.

Immer aber spielte der Bahnhof eine wichtige Rolle im Dorfleben. Sei es bei der Mastralia (Landsgemeinde) des Kreises Sur Tasna als die Musikgesellschaften einander am Bahnhof begrüssten.

1995 weihte die Rätische Bahn die zwei Lokomotiven Piz Linard und Lavin feierlich am Bahnhof ein.

2014 feierten die Laviner und umliegende Gemeinden ebenfalls am Bahnhof das 100jährige Bestehen der Engadiner Linie und weil das Dorf so nahe am Bahnhof liegt, feierte das Dorf auch gleich mit, respektive wurden die Aktivitäten auch dorthin verlegt.

Nicht wenige Gesellschaften nutzen auch die Mehrzweckhalle, wo wir uns heute befinden, wegen ihrer guten Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Der Rudé da chant beispielsweise oder die Musik der Rätischen Bahn.

Und auch verlegen wollte die RhB den Bahnhof schon mal. Im Zuge des Baus des Vereinatunnels war geplant, in Crusch einen neuen Bahnhof zu bauen, für Umsteige und Lavin. Das Projekt scheiterte damals am Widerstand der Bevölkerung.